Zukunft zum Anfassen
Wie beschreibt man die Zukunft? Mit ausgetüftelten Science-Fiction-Utopien? Mit erschreckenden Horrorvisionen? Mit erhobenem Zeigefinger oder mit der Hoffnung auf eine schöne neue Welt? Die Themenpark-Ausstellung „Das 21. Jahrhundert“ auf der Expo 2000 zeigte ein Zukunftsbild zwischen Hightech und Alltag – mit Bezug zum heutigen Leben. Städte der Zukunft, Arbeitsplätze, Wohnräume in den nächsten hundert Jahren luden zur Besichtigung ein. Mit viel Aufwand und viel Fantasie entstand eine Ausstellung, die die Besucher in zahlreichen Stationen vom Jahr 2100 zurück ins Jahr 2000 führte – ein Spaziergang zwischen Fiktion und Realität.
Die Reise ging durch die vier Städte Aachen, São Paolo, Shanghai und Dakar. In jeder Stadt standen einzelne Themen wie Verkehr, Gesundheit oder Handwerk im Mittelpunkt – geboten wurden nicht Universallösungen für die globalen Probleme, sondern Schnappschüsse aus dem Alltag der Zukunft. Viel audiovisuelle Technik war nötig, um die Visionen der Konzeptionisten zu verwirklichen. Dazu reiste ict mit großem Gepäck an. Mehr als 80 DVD-Player, 30 Multimedia-PCs, über 30 Projektoren sowie beinahe 100 Monitore aller Größen wurden benötigt. Ebenfalls von ict: die gesamte Mediensteuerung des Großprojekts.
Ausgrabungsstätten des 21. Jahrhunderts
Am Außenrand des Gebäudes in Messehalle 9 konnten sich die Besucher bis an den oberen Rand bewegen. Innen ging es dann spiralförmig wieder nach unten – zurück in die Gegenwart. 45 Meter Laufband überbrückten die hundert Jahre bis ins Jahr 2100. Auf der Rolltreppe wurden sie von der Journalistin Lisa willkommen geheißen, die aus mitlaufenden Monitoren sprach. Lisa war Fremdenführerin im 21. Jahrhundert, erzählte die Geschichte der Zukunft und begleitete die Besucher durch die Ausstellung – auf den Monitoren und als Dia-Projektion. Zu Beginn der Reise war sie 10 Jahre alt, während der Fahrt auf dem Laufband morphte sie zur Greisin, um sich später wieder zu verjüngen.
Die Technik war integriert in Ausstellungsgänge, die oft an Filmkulissen erinnerten. Die Besucher wanderten beispielsweise durch einen Ausgrabungsort des Jahres 2070. Je tiefer sie kamen, desto weiter bewegten sie sich in der Zeit zurück, kamen der Gegenwart näher. Alltagsgegenstände, in Glasvitrinen oder als Holoprojektion, fungierten als Zeitzeugen. Auch Lisa tauchte wieder auf, diesmal als neun mal neun Meter große Diaprojektion. In der gesamten Ausstellung musste die audiovisuelle Technik der fantasievollen Kulisse angepasst werden. Diaprojektoren wurden unter einer Metallbrücke befestigt, Lautsprecher fast unsichtbar in die ‚Ausgrabungsschichten’ installiert. Das hatte System im „21. Jahrhundert“: Die Technik stand nicht im Mittelpunkt, sondern fügte sich unauffällig in Häuser, Arbeitsplätze und öffentliche Orte ein.
Technik für alle Sinne
Wohin man schaute, war man umgeben von Licht-, Sound- und Bewegungseffekten. Ein Blickfang war zum Beispiel die Swimmingpool Party „30 Jahre Biozell“. Im Jahr 2030 feiert ein Gentechnologie-Unternehmen seine technischen Fortschritte. Durch eine Spiegelwand vergrößert, wurde ein echter Pool installiert. Die Partygäste waren jedoch virtuell: Rechts und links des Schwimmbeckens standen Projektoren, die real aussehende Partygäste auf einer Rückprojektionsleinwand abbildeten. „Schwierig war bei diesem Projekt der Platzmangel“, erklärt Projektleiter Thorsten Lipp. „Die Projektionen wurden alle über Spiegel umgelenkt. Damit sich keine Verzerrungen ergeben, musste das ganze Bildmaterial vorher aufwendig bearbeitet werden.“
Mediensteuerung hinter den Kulissen
Die gesamte Ton-, Licht- und Bewegungstechnik im „21. Jahrhundert“ wurde über die CM2 gesteuert. Auch die Programmierung kam von ict. Im ganzen Objekt liefen 13 CM2. Alleine mit dem Aufbau der Ausstellung waren 20 ict Mitarbeiter beschäftigt. „Wir hatten insgesamt etwa 100 audiovisuelle Baustellen,“ berichtet Lipp. Zwei Technikräume und ein Regiezimmer, für Besucher unsichtbar in die Kulisse integriert, waren die Steuerzentralen für die Präsentationen. Hier koordinierten während der Expo-Monate rund um die Uhr zwei Techniker die Abläufe - „Full Service“ von Juni bis Oktober. Das gesamte ict Team leistete Schwerstarbeit, um die aufwändigen Installationen trotz knappem Terminplan rechtzeitig fertig zu stellen. Aber die hochwertige Arbeit wurde auch belohnt: Das Projekt heimste beim Corporate Media Award 2000 die hohe Auszeichnung "Award of Master" ein.

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